
Kanada 2025 • Tag 17 •
Auf dem Icefields Parkway
von Jasper zum Columbia Icefield
Reisedatum 25.07.2025
Wir standen heute wieder früh auf, denn ein Buchungsfenster für den Shuttle am Sonntag öffnete um 8:00 Uhr. Ich wollte unbedingt zum Lake Louise und zum Moraine Lake. Um dorthin zu kommen, muss man ein Ticket für den Shuttlebus reservieren, denn seit 2023 ist die Straße zum Moraine Lake für Privatfahrzeuge gesperrt. Die einzige Möglichkeit dorthin zu gelangen, ist der offizielle Shuttle oder eine Übernachtung in den Hotels direkt an den Seen. Zwar kann man die Tickets auch spontan vor Ort kaufen, doch dann sind sie extrem teuer.
Im April, wenn das Buchungsportal online geht und 40 % der Tickets freigegeben werden, hatte ich leider kein Glück. Innerhalb von Sekunden waren alle Tickets weg aber heute gab es die letzte Chance um an die heiß begehrten Shuttle-Tickets zu kommen. Jeden Morgen um exakt – und ich meine wirklich EXAKT – 08:00 Uhr Ortszeit Alberta werden die restlichen 60 % für den übernächsten Tag freigeschaltet. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie aufgeregt ich war. Es fühlte sich fast an, als würde man versuchen, eine Audienz beim Papst zu bekommen 😅. Dank Atomuhr, zwei Handys und einem Laptop klappte es und ich bekam zwei Tickets für Sonntag. Yeah, ich war so happy! Wenn ihr selbst Tickets buchen wollt: Seid schnell, denn um 8:01 Uhr war schon wieder alles weg. Legt euch am besten vorher einen Account an, sonst verliert ihr zu viel Zeit und spätestens beim Buchungsvorgang braucht ihr diesen eh. Hier ist der Link zur Ticketbuchung von Parks Canada.
Da es in der Nacht heftig geregnet hatte und draußen noch alles nass und kalt war, frühstückten wir im Camper. Danach packten wir alles zusammen, dumpten, füllten Frischwasser auf und machten uns auf den Weg. Heute verließen wir Jasper und fuhren über den wohl bekanntesten Highway Kanadas, den Icefields Parkway, Richtung Columbia Icefield.
Icefields Parkway – Panoramastraße der Rockies
Der Icefields Parkway ist eine rund 230 Kilometer lange Panoramastraße, die Jasper im Norden mit Lake Louise im Süden verbindet. Als Teil des Alberta Highway 93 verläuft er mitten durch die kanadischen Rocky Mountains und gilt als eine der schönsten Panoramastraßen der Welt. Die Route führt durch die beiden größten National Parks Albertas – den Jasper National Park im Norden und den Banff National Park im Süden. Unterwegs eröffnen sich Ausblicke auf mächtige Gletscher, türkisfarbene Seen, tosende Wasserfälle und die höchsten Gipfel der Region.
Die Idee einer Verbindungsstraße zwischen Banff und Jasper entstand bereits in den 1920er-Jahren. Mehrere Expeditionen erkundeten zuvor das Gebiet, doch erst 1931 begann der eigentliche Bau. Über 1.000 Arbeiter waren daran beteiligt, und nach zehn Jahren Bauzeit konnte die Straße 1940 eröffnet werden – damals noch als Schotterpiste unter dem Namen „Banff-Jasper Road“. Erst 1961 wurde die Route asphaltiert und erhielt den Namen Icefields Parkway, benannt nach dem mächtigen Columbia Icefield, dessen Gletscher weit in die Täler der Region hineinragen.
Der Parkway ist nicht nur landschaftlich ein Höhepunkt, sondern auch touristisch gut erschlossen: Zahlreiche Haltepunkte, Aussichtspunkte, Wanderwege und Campgrounds liegen direkt an der Strecke. Obwohl man die 230 Kilometer theoretisch in drei bis vier Stunden fahren könnte, empfiehlt es sich, deutlich mehr Zeit einzuplanen, um die vielen Sehenswürdigkeiten unterwegs zu erleben.
Für die Nutzung des Icefields Parkway ist ein gültiger Nationalpark-Pass erforderlich, der an Kontrollstationen oder im Visitor Centre erhältlich ist.
Zunächst bogen wir hinter Jasper auf den alten Highway 93A ab. Eigentlich wollten wir zum Mount Edith Cavell, doch das Wandergebiet war nach dem Feuer im letzten Jahr noch gesperrt. Die Strecke war wenig befahren und die verbrannten Wälder ließen die Landschaft surreal wirken. Je weiter wir fuhren, desto grüner wurde es wieder. Als wir einen Abzweig zum Moab Lake sahen, war unsere Neugier geweckt und wir wagten uns auf die 6-Kilometer-lange Gravel Road. An einem kleinen Parkplatz stand ein anderes Auto und ein Pärchen kam gerade zurück. Wir liefen die 200 Meter zum See, waren aber eher enttäuscht. Es gab keine tolle Aussicht, und da wir ohne Bärenspray unterwegs waren, wollten wir nicht weiterlaufen. Also ging es zurück zum Camper und wieder auf den 93A.

Der nächste Stopp war an den Athabasca Falls. Hier stürzt der wasserreichste Fluss der Region, der Athabasca River, etwa 23 Meter mit unglaublicher Wucht durch eine enge, felsige Schlucht in die Tiefe. Man merkte, dass die Wasserfälle zu den bekanntesten und meistbesuchten im Jasper National Park gehörten, denn hier war von Ruhe und Einsamkeit keine Spur. Wir fanden zwar problemlos einen Parkplatz, aber es hatte einige Leute hier. Vom Parkplatz aus waren es nur wenige Meter zu mehreren Aussichtsplattformen, die alle miteinander verbunden waren. Durch den vielen Regen war das Wasser leider sehr braun, dafür hatte es aber eine sehr hohe Wassermenge. Wir liefen die vielen angelegten Pfade ab und sahen uns die beeindruckenden Fälle von verschiedenen Perspektiven an und ich konnte immer nur staunen, was für eine Kraft Wasser hatte. Die Gischt war heute so stark, dass man an manchen Aussichtspunkten gar nicht ganz nach vorne laufen konnte, da man sofort komplett nass wurde.
Kurz nach der Fußgängerbrücke, die über die Schlucht führte, kamen wir an einen unscheinbaren Weg vorbei. Wir wollten natürlich schauen, wohin er führte, und kamen durch eine enge Felsspalte bis hinunter zum Fluss. Zurück ging es auf dem gleichen Weg, und als ich genügend Fotos gemacht hatte, liefen wir wieder zurück zum Camper. Am Parkplatz gab es schöne Picknickplätze, und wir machten erst einmal eine kleine Kaffeepause.

Weiter ging es über den Icefields Parkway, der nun durch das Athabasca Valley verlief – eines der längsten und breitesten Täler der Rocky Mountains. Schon bald erreichten wir die Abzweigung zu den Sunwapta Falls. Von hier führte eine etwa 600 Meter lange Einfahrt direkt zum Parkplatz. Leider war dieser ziemlich klein, sodass wir eine Runde drehen mussten, bis wir endlich einen Platz fanden.
Nur wenige Schritte vom Parkplatz entfernt stand man bereits am Sunwapta River, einen Nebenfluss des Athabasca River, der hier über zwei Wasserfälle – die Upper und Lower Sunwapta Falls – rund 18 Meter in die Tiefe stürzte. Von einer große Brücke hatte man einen tollen Blick hinunter in die enge Schlucht. Wir machten einen kurzen Spaziergang oberhalb des Wasserfalls und von verschiedenen Aussichtspunkten aus hatten wir einen schönen Blick auf das Naturschauspiel. Auch hier war ich wieder beeindruckt, welche Kraft das Wasser hatte. Wer mehr Zeit mitbringt, kann von hier aus noch eine vier Kilometer lange Wanderung (hin und zurück) zu den Lower Falls machen. Leider hatten wir nicht so viel Zeit, und so ging es wieder zurück zum Camper.

Wir folgten dem Icefields Parkway weiter, und die Fahrt führte stetig bergauf in Richtung Athabasca Glacier. Nach und nach rückten die massiven Berge immer näher heran, und zum Glück gab es entlang der Strecke immer wieder Haltebuchten, wo ich zwischendurch Fotos von der beeindruckenden Landschaft machen konnte. Auch wenn wir heute kein schönes Wetter hatten, war die Landschaft trotzdem ein absoluter Traum.
Einen kurzen Stopp legten wir am Stutfield Glacier Viewpoint ein. Direkt an der Straße gab es hier eine große Parkbucht, in der man problemlos anhalten konnte. Leider war es ziemlich wolkig, sodass man vom Gletscher nicht allzu viel erkennen konnte. Trotzdem lohnte sich der Halt, denn allein die Umgebung war beeindruckend.
Auch an den Tangle Creek Falls, die ebenfalls direkt am Icefields Parkway lagen, hielten wir an. Fast wären wir vorbeigefahren, wenn uns nicht die vielen Autos auf dem gegenüberliegenden Parkplatz aufgefallen wären – also Augen auf. Natürlich nutzten wir die Gelegenheit für einen Fotostopp, denn der Wasserfall war besonders sehenswert, da das Wasser über mehrere Stufen insgesamt rund 35 Meter in die Tiefe stürzte.

Bei der Weiterfahrt kamen wir am Columbia Icefield Skywalk vorbei, den wir aber ignorierten. Wer den Nervenkitzel mag, für den lohnt sich sicherlich ein Besuch. Wer jedoch mehr Wert auf die Landschaft legt, kann diese auch ohne Skywalk in vollen Zügen genießen. Wenig später erreichten wir das Icefield Centre mit Besucherzentrum, riesigem Parkplatz, Hotel und Restaurants. Eigentlich wollten wir noch den Wilcox Trail laufen, aber leider fing es zu regnen an.
Da wir für diese Nacht noch keinen Campground gebucht hatten, fuhren wir ein paar Kilometer weiter zum Wilcox Creek Campground, um zu schauen, ob dort noch etwas frei war. Dieser Platz funktioniert nach dem Prinzip „First come, first serve“, und wir hatten Glück und fanden eine schöne Site. Am Eingang füllten wir die Self-Registration aus, hängten den Beleg an unsere Site und fuhren danach noch einmal zurück zum Icefield Centre. Dort hatten wir Internet und konnten ein paar Dinge erledigen. Für Camper besteht hier übrigens auch die Möglichkeit, für nur 15 CAD direkt auf dem Parkplatz am Icefield Center zu übernachten.
Columbia Icefield – das ewige Eis
Das Columbia Icefield zählt zu den größten Eisfeldern der kanadischen Rocky Mountains und umfasst insgesamt acht große Gletscher. Drei davon lassen sich direkt vom Icefields Parkway aus sehen: der bekannte Athabasca Glacier, der unmittelbar am Highway liegt und am einfachsten zugänglich ist, der benachbarte Dome Glacier sowie der weiter nördlich gelegene Stutfield Glacier. Die übrigen Gletscher des Eisfelds liegen im Inneren des Hochplateaus und sind nur über längere Touren zugänglich oder lassen sich aus der Luft betrachten.
Im Sommer besteht die Möglichkeit, mit speziellen Expeditionsfahrzeugen auf den Athabasca Glacier zu fahren und dort sogar ein Stück zu Fuß über das Eis zu laufen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich davon halten soll. Für mich macht es wenig Sinn, mit schweren Fahrzeugen auf einen Gletscher zu fahren. Ich finde, man sollte sie besser in Ruhe lassen, um sie nicht noch weiter zu schädigen.
Später, als das Wetter endlich besser wurde, fuhren wir mit dem Camper noch ein Stück weiter zum Sunwapta Lake. Von dort liefen wir ein Stück in Richtung Gletscher und betrachteten die Gletscherberge einmal von unten. Der Anblick war beeindruckend und erschreckend zugleich, denn es wurde deutlich, wie wenig von den einst mächtigen Eismassen noch übriggeblieben war. Nachdem ich wieder unzählige Fotos gemacht hatte, wer weiß schon wie lange es diese Gletscher noch geben wird, ging es zurück zum Camper.
Wieder am Campground angekommen, holten wir uns am Eingang Feuerholz, das dort kostenlos zur Verfügung stand. Tom machte direkt ein Lagerfeuer, und sobald wir eine schöne Glut hatte, grillten wir darauf leckere Burger. Wir saßen noch eine Weile am Feuer, bevor es dann doch zu kalt wurde und wir in den Camper gingen.

Unsere Unterkunft am Columbia Icefield
Wilcox Campground
Sehr schön am Hang gelegener Campground mit 46 Sites, von denen einige ausschließlich für Zelte vorgesehen sind. Entgegen den Angaben auf der Website von Parks Canada, die den Platz für Wohnmobile bis zu einer Länge von 27 ft empfehlen, weist vor Ort ein Schild auf eine Begrenzung von 24 ft hin da die Zufahrt teilweise sehr eng und steil ist.
Die Sites sind schön angelegt und jeweils mit Picknicktisch und Feuerring ausgestattet. Es gibt einfache Toiletten, die wir jedoch nicht genutzt haben. Der Platz ist first come, first served und die Self-Registration befindet sich direkt an der Einfahrt. Dort lag auch Feuerholz bereit, das man mitnehmen konnte. Bezahlen kann man entweder bar oder per Kreditkarte. Außerdem gibt es eine Dumpstation sowie Frischwasser.
Wir haben für eine Nacht 27 CAD bezahlt.
Weitere Infos auf der Website


























