
Kanada 2025 • Tag 18 •
Auf dem Icefields Parkway vom
Columbia Icefield zum Lake Louise
Reisedatum 26.07.2025
Unser Tag startete heute eisig, und schon beim Frühstück am Morgen fror ich richtig. Kein Wunder – wir standen immerhin auf rund 2.000 Metern Höhe, und das Wohnmobil war nicht wirklich isoliert. Den Generator mit der Heizung wollten wir nicht unbedingt einschalten, da er doch recht laut war und so wärmte ich mich lieber an meinem heißen Kaffee.
Nach dem Frühstück erledigten wir wieder das Übliche rund ums Auto und fuhren anschließend zurück zum Columbia Icefield, um das Wetter und die aktuellen Nachrichten zu checken. Heute Morgen war das Wetter deutlich besser, und deshalb beschlossen wir, einen Teil des Wilcox Trails zu wandern. Wir parkten den Camper auf einem kleinen Parkplatz direkt am Ausgangspunkt der Tour. Dort stand auch eine Tafel mit Informationen zum Wilcox Pass.
Gleich zu Beginn der Wanderung begann der Aufstieg durch einen schönen subalpinen Wald. Der Boden war durch den vielen Regen vom Vortag ziemlich rutschig, und man musste gut aufpassen, dass man nicht ausrutschte. Bald erreichten wir eine kurze Holzbrücke und danach eine Treppe, die über moosbedeckte Hügel hinaufführte. Als wir die Baumgrenze hinter uns gelassen hatten, verlief der Weg entlang eines Berggrats, und nach etwa zwei Kilometern erreichten wir die bekannten roten Stühle. Diese wurden von Parks Canada an besonders schönen und aussichtsreichen Orten im National Park aufgestellt. Sie sollen Besucher dazu anregen, den Moment bewusst zu genießen – also einfach mal hinsetzen, die Umgebung auf sich wirken lassen und vielleicht ein Foto machen. Wir setzten uns auf die roten Stühle und genossen den Blick auf die Berge ringsum. Von hier hatten wir eine großartige Aussicht auf den Icefields Parkway und den Athabasca Glacier. Auf einer Wiese etwas weiter entfernt konnten wir sogar Dickhornschafe beobachten, die hier anscheinend häufig grasten. Wir liefen noch ein Stück den Weg weiter, entschieden uns aber gegen die komplette Wanderung bis zum Wilcox Peak, da wir an diesem Tag ja noch weiterfahren wollten. Also liefen wir den Weg wieder retour zu unserem Camper und von dort aus setzten wir unsere Fahrt auf dem Icefields Parkway in Richtung Lake Louise fort.

Hier am Columbia Icefield Center treffen der Jasper National Park und der Banff National Park aufeinander. Als wir den Parkplatz verließen und weiter nach Süden fuhren, befanden wir uns somit im Banff National Park.
Banff National Park – Überblick
Der Banff National Park wurde 1885 gegründet und ist damit der älteste National Park Kanadas sowie einer der bekanntesten weltweit. Mit einer Fläche von rund 6.600 km² liegt er im Südwesten der Provinz Alberta im Herzen der kanadischen Rocky Mountains. Gemeinsam mit dem angrenzenden Jasper National Park, dem Yoho National Park und dem Kootenay National Park bildet er das UNESCO-Weltnaturerbe „Canadian Rocky Mountain Parks“. Die Landschaft ist geprägt von mächtigen Gebirgszügen, tiefblauen Seen, dichten Wäldern und imposanten Gletschern. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählen der türkisfarbene Lake Louise, der spektakuläre Moraine Lake im Valley of the Ten Peaks sowie die Panoramastraße Icefields Parkway, die Banff mit dem Jasper National Park verbindet. Ebenfalls beliebt sind das Bow Valley, die Johnston Canyon Waterfalls und die heißen Quellen der Banff Upper Hot Springs.
Im Park leben zahlreiche Wildtiere wie Elche, Schwarzbären, Grizzlybären, Dickhornschafe und Wapitis, die man mit etwas Glück am frühen Morgen oder Abend beobachten kann. Der Ort Banff selbst liegt im Bow Valley und gilt als charmante Bergstadt mit zahlreichen Restaurants, kleinen Boutiquen und Unterkünften. Er ist der ideale Ausgangspunkt für Wanderungen, Radtouren, Kanuausflüge und Wintersportaktivitäten.
Mit seiner beeindruckenden Bergkulisse, den vielfältigen Outdoor-Möglichkeiten und der guten Erreichbarkeit über den Trans-Canada Highway zählt der Banff National Park zu den meistbesuchten National Parks Nordamerikas – und ist ein absolutes Highlight jeder Reise durch Westkanada.
Unterwegs hatten wir immer wieder Regenschauer, doch die Aussicht blieb ein Traum und wurde mit jedem Kilometer schöner. In der Nähe der Panther Falls kamen wir an einer markanten Spitzkehre vorbei und legten dort einen kurzen Stopp ein – der Blick ins Tal war einfach spektakulär! Die Straße schlängelte sich in engen Kurven den Hang hinunter, und von oben hatte man einen fantastischen Blick auf die weite Berglandschaft der Rockies.

Langsam besserte sich das Wetter, der Regen hörte auf und schließlich kam sogar die Sonne heraus. Über den Weeping Wall Viewpoint, an dem wir nur kurz anhielten, ging es weiter zum Howse Pass Viewpoint. Dieser lag direkt am Parkway und es hatte dort einen großzügigen Parkplatz. Wir machten erst einmal eine Kaffeepause und stärkten uns etwas, bevor wir zum Aussichtspunkt liefen. Der Blick ins Howse Valley, ein breites offenes Tal, das von dichten Wäldern und hohen Bergen eingerahmt war, war einfach herrlich. Ein kurzer Weg mit Infotafeln zur Geschichte und zur Landschaft führte dort entlang einer Mauer. Nachdem ich wieder unzählige Fotos gemacht hatte, ging es zurück zum Camper. Weiter auf dem Icefields Parkway musste Tom immer wieder anhalten, da die Berge und die Landschaft einfach zu schön waren und ich wollte unbedingt alles auf Bildern festhalten.

Ein besonderes Highlight des Icefields Parkway war natürlich der Peyto Lake, ein absoluter Must-See. Hier legten wir einen längeren Stopp ein, um eine kleine Wanderung zu unternehmen.
Peyto Lake – der türkisfarbene Klassiker
Der Peyto Lake, benannt nach dem Trapper und Bergführer Bill Peyto, der die Region einst touristisch erschloss, gehört zu den meistfotografierten Seen am Icefields Parkway. Er liegt auf rund 2.000 Metern Höhe und befindet sich an einem der höchsten Punkte der Panoramastraße.
Der Bergsee ist berühmt für seine intensive türkisfarbene Färbung, die ihm ein charakteristisches Erscheinungsbild verleiht. Peyto Lake ist ein typischer Gletschersee, dessen Farbe durch sogenanntes Gesteinsmehl entsteht. Dieses feine Sediment entsteht, wenn Gletscher das Grundgestein zermahlen und winzige Partikel ins Schmelzwasser tragen. Die Partikel streuen vor allem blaues und grünes Licht, während rotes Licht stärker absorbiert wird – so erscheint das Wasser leuchtend türkis. Je nach Menge des Gesteinsmehls, der Tiefe des Sees und dem Sonnenstand variiert die Farbintensität.
Es gab zwei Parkplätze: der untere war für Autos und Camper vorgesehen, der obere für Reisebusse und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Wir parkten den Camper und liefen den etwa 500 Meter langen, asphaltierten, aber ziemlich steilen Weg hinauf zur Aussichtsplattform, eine kleine Herausforderung, die einige durchaus ins Schwitzen brachte. Oben angekommen, hatten wir einen traumhaften Blick auf den türkisblauen See und das beeindruckende Bergpanorama. Auf der linken Seite des Sees war noch deutlich der Verlauf des ehemaligen Peyto Glacier zu erkennen. Auch hier ist der Rückgang des Gletschers dramatisch.
Leider war es hier oben sehr voll, da viele Reisegruppen unterwegs waren. Uns war das zu viel und deshalb entschieden wir uns, noch ein Stück weiterzuwandern. Ein teils ausgeschilderter Pfad führte links steil nach oben zu einem zweiten Aussichtspunkt, und dort waren wir fast allein. Immer wieder zogen kurze Schauer vorbei, und kurz darauf schien wieder die Sonne, so wechselten die Farben des Sees ständig und leuchteten in immer neuen Tönen. Wow! Was für eine Farbenpracht und was für ein Ausblick! Ich fand ihn sogar noch schöner als vom unteren Aussichtspunkt. Ich hätte ewig dort oben sitzen können, doch irgendwann machten wir uns wieder auf den Rückweg.

Nur ein paar Kilometer weiter erreichten wir den Bow Lake, ebenfalls ein von Gletscherwasser türkis gefärbter Bergsee, der direkt am Parkway lag. Kurz vor dem See bog die Straße nach rechts zu einem Parkplatz ab, auf dem wir eigentlich halten wollten. Schon auf der Zufahrt war jedoch alles zugeparkt, und mir schwante nichts Gutes. Leider fanden wir keinen freien Platz, und mit dem Camper und seiner Länge war das Rangieren ohnehin schwierig. Deshalb fuhren wir noch ein Stück weiter, bis wir eine große Haltebucht direkt am See mit einem Viewpoint entdeckten. Dort hatten wir dann ja Glück und konnten parken.
Der See lag wunderschön da, doch er hatte für uns nicht den gleichen Wow-Effekt wie der Peyto Lake. Vielleicht lag das daran, dass man ihn nicht von oben betrachten konnte und das Wetter inzwischen auch nicht mehr das beste war. Der Blick auf die umliegenden Berge und Gletscher war jedoch beeindruckend und machte den kurzen Stopp trotzdem lohnenswert.

Nach weiteren knapp 40 Kilometern erreichten wir schließlich Lake Louise – und damit das Zentrum des Touristenrummels. Hier hatte ich auf dem Lake Louise Hardsided Campground, wieder Monate im voraus, einen Platz reserviert. Nach dem Einchecken fuhren wir direkt auf unsere Site. Kein Highlight wie der Wilcox Campground, aber schön groß und zwischen Bäumen gelegen. Leider verlief die Bahnlinie ganz in der Nähe, und als der erste Zug vorbeikam und mehrmals hupte, war klar, dass es ganz schön laut werden würde. Meine Hoffnung, dass abends und nachts keine Züge fahren würden, war schnell dahin – gefühlt kam jede Stunde einer vorbei. Falls ihr hier auch übernachten wollt, so vergesst auf jeden Fall nicht eure Ohrenstöpsel.
Da es inzwischen spät war, grillten wir noch kurz und zogen uns dann aber bald ins Wohnmobil zurück, weil es ziemlich kalt wurde.

Mein Fazit zu zwei Tagen auf dem Icefields Parkway + Tipps
Die reine Fahrzeit auf dem Icefields Parkway beträgt etwa 3–4 Stunden. Wenn du die Strecke an einem einzigen Tag planst, wird es allerdings recht straff – denn es gibt unzählige schöne Spots, an denen du anhalten, wandern oder einfach nur staunen kannst. Plane lieber zwei bis drei Tage ein, um die Strecke wirklich zu genießen! Hier findest du eine schöne Map mit allen Sehenswürdigkeiten und Wanderungen entlang des Icefields Parkways.
Vorteile, wenn du dir mehr Zeit nimmst:
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Ein Regentag ruiniert dir nicht gleich die gesamte Fahrt.
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Du kannst unterwegs gemütlich anhalten und ein Picknick machen.
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Die vielen Aussichtspunkte laden zum Erkunden und Verweilen ein.
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Zahlreiche Wanderwege und Aktivitäten entlang der Route lohnen sich wirklich.
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Bei so vielen Eindrücken übersieht man leicht ein Highlight – mit etwas Puffer kannst du einfach umdrehen und nochmal stoppen.
Hier noch ein paar Tipps:
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Beachte auch, dass es auf weiten Teilen des Icefields Parkway keinen Handyempfang gibt. Wenn du also mit Google Maps navigierst, lade dir die Karten unbedingt vorher offline herunter.
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Tankmöglichkeiten gibt es nur an der Saskatchewan River Crossing, und dort ist der Sprit deutlich teurer, es lohnt sich also voher nochmals zu tanken. Verpflegung bekommst du ebenfalls nur dort oder im Visitor Centre des Columbia Icefield. Pack dir also genug Getränke und Snacks ein.
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Gerade in den Übergangszeiten April/Mai oder September/Oktober kann es jederzeit zu plötzlichen Wintereinbrüchen kommen – also lieber vorbereitet sein!
Unsere Unterkunft am Lake Louise
Lake Louise Hardsided Campground
Sehr schöner, in einem Wald gelegener RV-Campground. Die Zeltplätze befinden sich in einem eigenen Bereich, da dieser durch einen Elektrozaun vor Wildtieren geschützt ist. Einige Sites sind als „Buddy Sites“ angelegt, das heißt, zwei Camper teilen sich eine gemeinsame Parzelle – meist so, dass die Türen der Fahrzeuge in entgegengesetzte Richtungen zeigen. In unserer Loop gab es Toiletten und Duschen, die wir jedoch nicht genutzt haben. Jede Site verfügt über einen Picknicktisch; auf unserem Platz (Nr. 109) gab es allerdings keinen Feuerring, dieser ist nur auf bestimmten Sites vorhanden. Die nachts vorbeiratternden Züge haben wir öfters gehört. Es gibt eine große, saubere Dumpstation sowie Frischwasser. Der Campground liegt ideal als Ausgangspunkt für den Lake Louise- und Moraine Lake Shuttle.
Wir haben für eine Nacht 47,5 CAD bezahlt.
Weitere Infos auf der Website






















