
Kanada 2025 • Tag 21 •
Wanderung und Johnston Canyon
Reisedatum 29.07.2025
Unser Frühstück konnten wir heute bei angenehm warmem Sonnenschein vor dem Camper genießen. Für heute hatten wir eine Wanderung geplant, die uns gestern im Visitor Centre empfohlen worden war, da ein anderer Bereich wegen Bärenaktivität gesperrt war.
Mit dem Camper fuhren wir zur Upper Bankhead Parking Lot and Picnic Area, dem Startpunkt des C-Level Cirque Trails, nur etwa zehn Minuten vom Campground entfernt. Vor über 100 Jahren war hier die Bankhead Coal Mine noch in Betrieb. Die oberste Ebene der weitläufigen Minenanlagen, die sogenannte „C-Level“, gab dem heutigen Wanderweg seinen Namen.
Schon kurz nach dem Einstieg führte der breite Pfad stetig bergauf durch den dichten Wald und immer wieder konnten wir zwischen den Bäumen einen Blick auf den Lake Minnewanka erhaschen. Nach einigen Kehren erreichten wir die alten Kohlenminen-Gebäude, die heute verlassen im Wald liegen – ein spannender Einblick in die Geschichte dieser Region. Außerdem gab es zahlreiche alte Minenschächte und Entlüftungslöcher, die aus Sicherheitsgründen eingezäunt waren, sodass man nicht allzu viel erkennen konnte.
Nachdem wir die Minenschächte hinter uns gelassen hatten, führte der C-Level-Cirque-Trail in mehreren Serpentinen weiter bergauf in Richtung der Flanke des Cascade Mountain. Wir waren fast allein unterwegs – ein etwas mulmiges Gefühl, denn wir hofften, keinem Bären zu begegnen, und unterhielten uns laut. Der Weg wurde zunehmend steiler und wurzeliger und war durch den Regen vom Vortag stellenweise rutschig. Schließlich verließen wir die Baumgrenze, und vor uns öffnete sich eine weite Lichtung mit dem beeindruckenden C-Level Cirque – einer riesigen, halbkreisförmigen Felsarena, die einst durch Gletscher geformt wurde.

Hier endete der offizielle Wanderweg und der mächtige Cascade Mountain mit seinen 2.998 m lag direkt vor uns und wirkte aus dieser Nähe besonders imposant. Viele Wanderer kehrten hier um, doch wir wollten noch weiter bis zur oberen Baumgrenze aufsteigen, rund 1,2 km und etliche Höhenmeter oberhalb des Geröllfeldes. Der Pfad führte nun als steiler Singletrail rechts am Geröllfeld vorbei und schlängelte sich in engen Kurven bergauf. Schließlich erreichten wir eine kleine Lichtung auf einem Bergrücken. Vom höchsten Punkt aus hatten wir dann einen atemberaubenden Blick auf den Lake Minnewanka und den Two Jack Lake tief unten im Tal. Tom stieg noch ein Stück höher, doch der Blick war von dort oben nicht besser.
Wir suchten uns ein schönes Plätzchen, machten eine Pause, aßen unsere mitgebrachte Verpflegung, genossen die Stille und die Aussicht und machten viele Fotos. Lange waren wir hier ganz allein, bis nach und nach ein paar andere Wanderer kamen. Dann traten wir den Rückweg an. Der Abstieg erfolgte auf demselben Weg, wobei das steile Stück doch eine Herausforderung war, sodass wir langsam gehen mussten. Im Wald wurde der Weg wieder angenehmer, und nach insgesamt rund 4 Stunden, 10 Kilometern und 750 Höhenmetern erreichten wir wieder den Parkplatz. Da es noch nicht spät war, fuhren wir weiter zum Johnston Canyon.

Johnston Canyon – beliebte Wanderung im Banff National Park
Der Johnston Canyon zählt zu den bekanntesten und meistbesuchten Sehenswürdigkeiten im Banff National Park. Etwa 25 Kilometer westlich der Ortschaft Banff, entlang des malerischen Bow Valley Parkway (Highway 1A), hat sich der Johnston Creek über Jahrtausende tief in das Kalkgestein der Palliser-Formation eingegraben und dabei eine enge, bis zu 30 Meter tiefe Schlucht geschaffen. Die Kombination aus tosenden Wasserfällen, steilen Felswänden und hölzernen Stegen, die direkt über dem Wasser verlaufen, macht den Canyon zu einem der eindrucksvollsten Naturerlebnisse des Parks.
Benannt wurde die Schlucht nach dem frühen Siedler Robert Johnston, der das Gebiet Ende des 19. Jahrhunderts erkundete. Bereits in den 1920er-Jahren wurde der Weg für Besucher ausgebaut und damit zählt der Johnston Canyon zu den ältesten touristisch erschlossenen Attraktionen im Banff National Park.
Der Canyon ist ganzjährig zugänglich. In den Sommermonaten (Juni bis September) ist der gesamte Weg begehbar, während sich die Schlucht im Winter in eine faszinierende Eislandschaft verwandelt. Dann gefrieren die Wasserfälle zu glitzernden Eisformationen, und auf den Stegen bilden sich Eisschichten. In dieser Jahreszeit werden geführte Ice Walks angeboten, bei denen Spikes oder Steigeisen empfohlen sind.
In der Hauptsaison gehört der Johnston Canyon zu den meistbesuchten Orten im Park. Zwischen 9:00 und 17:00 Uhr ist der Besucherandrang am größten, und auf den schmalen Stegen kann es stellenweise eng werden. Wer die Tour in Ruhe genießen möchte, startet am besten früh am Morgen oder später am Nachmittag. Ab etwa 17:00 Uhr wird es deutlich ruhiger – und das weiche Licht, das in die Felsen fällt, verleiht der Schlucht eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre.
Über den wunderschönen Bow Valley Parkway erreichten wir unser nächstes Ziel. Der Parkway (Route 1A) ist die frühere Verbindungsstraße zwischen Banff und Lake Louise und eine landschaftlich beeindruckende Strecke. Im Gegensatz zum Highway gibt es hier keine Wildzäune, sodass sich Tiere frei bewegen können. Leider hatten wir aber kein Glück und sahen keine Tiere.
Schon auf der Hinfahrt zum Johnston Canyon ahnten wir, was uns erwartete: Die Straße war weit vor dem Parkplatz beidseitig zugeparkt. Glücklicherweise fanden wir mit unserem Camper trotzdem noch einen Platz auf dem offiziellen Parkplatz. Dass der Canyon zu den meistbesuchten Orten im Banff National Park gehört, wussten wir zwar, doch die Menschenmenge war wirklich enorm. Trotzdem wollten wir den Trail auf keinen Fall auslassen.
Vom Parkplatz aus startete der gut ausgebaute Wanderweg. Zuerst ging es über eine Brücke über den Fluss und an der Johnston Canyon Lodge mit Einkehrmöglichkeit vorbei direkt in die enge Schlucht hinein. Schon nach wenigen Metern hörte man das laute Rauschen des Johnston Creek, der sich seinen Weg durch das schmale Felsbett bahnte. Über hölzerne Stege und kleine Brücken führte der Weg dicht am Wasser entlang – ein toller Abschnitt, zumal man stellenweise nur wenige Meter oberhalb des tosenden Flusses lief. Die ausgesetzten Passagen waren durch Geländer aber gut gesichert.
Nach rund 1,1 Kilometern erreichten wir die Lower Falls. Dort stürzte das Wasser etwa zehn Meter mit lautem Donnern in ein türkisfarbenes Becken. Man konnte die Fälle sowohl vom Weg als auch von einer stark frequentierten Brücke aus sehen. Über einen kleinen Tunnel gelangte man in eine Felsspalte, von der aus man den Wasserfall aus nächster Nähe betrachten konnte – meistens wurde man dort allerdings etwas nass. Wir wollten uns nicht anstellen und machten daher nur ein paar Fotos von oben, die ebenfalls schön waren. Anschließend setzten wir unseren Weg fort, da es uns hier schlicht zu voll war.

Der schmale Wanderweg führte weiter auf Holzstegen und gut begehbaren Wegen leicht bergauf und schlängelte sich durch den enger werdenden Canyon. Ab hier wurde es etwas ruhiger, weil sich die Besucher besser verteilten. Nach weiteren 1,5 Kilometern entlang der beeindruckenden Felswände erreichten wir die Upper Falls. Dieser Wasserfall war gut versteckt und über einen in den Fluss ragenden Steg zu sehen. Mit rund 30 Metern Höhe war er deutlich imposanter, da er über eine senkrechte Felswand in die Tiefe stürzte. Auch hier musste man sich anstellen, um ein Foto zu machen, doch ich wollte den Wasserfall natürlich unbedingt fotografieren und es lohnte sich. Wer noch Energie hatte, konnte weiter hinaufsteigen, um ihn auch von oben zu sehen.
Wer Lust auf eine längere Tour hat, kann den Weg zusätzlich zu den Ink Pots fortsetzen – fünf unterschiedlich gefärbte Mineralquellen in einer weiten Wiesenlandschaft oberhalb des Canyons. Bis dorthin waren es noch einmal rund drei Kilometer, und der Weg führt recht steil bergauf, aber die Aussicht und die Ruhe dort oben sollen wunderschön sein.
Wir wanderten denselben Weg jedoch wieder zurück und konnten die Schlucht dabei noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben. Auf dem Rückweg war deutlich weniger los, was sehr angenehm war.

Zurück in Banff gingen wir nochmal in die Bakery, in der wir auch gestern gewesen waren – heute hatten wir uns nach all der Wanderung definitiv ein Stück Kuchen verdient. Anschließend kauften wir noch ein paar Lebensmittel für das Abendessen ein und fuhren schließlich zurück zum Campground, wo wir den Tag gemütlich im Camper ausklingen ließen.




















